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Immuntherapie
Von der immunologischen Krebsabwehr wissen wir noch immer relativ wenig. Bei bösartigen Tumoren, die sich spontan zurückgebildet haben, hat man jedoch beobachtet, dass vor allem die Anteile des unspezifischen Immunsystems, also die Makrophagen und die natürlichen Killerzellen, von besonderer Bedeutung sind. So ist z. B. die Zahl der Makrophagen in einem Gramm Gewebe des Tumors, der sich im Zustand der spontanen Rückbildung befindet, fünfmal größer als im Zustand des malignen Wachstums. Das Immunsystem allein ist wahrscheinlich nicht in der Lage, mit einem größeren Tumor fertig zu werden. Wenn sich größere Tumore spontan zurückbildet haben, so waren es meist mehrere Phänomene zu beobachten, die nicht nur immunologischen Ursprungs waren.
Es ist deshalb nicht sinnvoll, nur eine Immuntherapie des Krebses zu betreiben, ohne die vorher beschriebene Basistherapie. Diese muss wirklich die Grundlage jeder Art von Krebstherapie sein. Solange die körpereigenen Regulationsmechanismen blockiert sind, wird es nicht gelingen, das Immunsystem in den Kampf gegen den Tumor einzubeziehen. Im Gegenteil, wir wissen heute, dass z. B. zirkulierende spezifische Antikörper den zytotoxischen Einfluss der zellulären Abwehr durch die Bildung von Antigen-Antikörperkomplexen blockieren. Der Tumor bringt das Immunsystem dazu, sich selbst zu inaktivieren. In diesem Zusammenhang ist vor dem unkritischen Einsatz immun stimulierender Substanzen dringend zu warnen. Es können Reaktionen ausgelöst werden, die zu einer Blockade der körpereigenen Abwehrmaßnahmen führen und das Tumorwachstum u. U. sogar beschleunigen.
Sehr empfehlenswert ist nach unserer eigenen Erfahrung die Behandlung mit Thymuspräparaten; allerdings darf auch die Thymustherapie keine Dauertherapie sein; auch sie ist individuell auf den Patienten abzustimmen. Die Mistelextrakt-Behandlung ist in vielen Fällen hilfreich (aber nicht in jedem!). In unserer Klinik hat sich besonders die Therapie mit sehr hoch dosierten Mistelinfusionen bewährt (off-label-use), die wir in Kombination mit anderen Infusionen nach einem ganz bestimmten Modus verabreichen.
Gerade die heutige Forschung auf diesem Gebiet bringt immer neue Therapieansätze hervor, wie z. B. die Behandlung mit Zytokinen (Interferone, Interleukine), mit speziellen Antikörpern oder mit modifizierten Abwehrzellen. Es würde den Rahmen dieser kurzen Übersicht sprengen, wollte man auf all diese vielfältigen neuen Möglichkeiten eingehen, deren Einsatz auch im Rahmen konventioneller Verfahren sinnvoll sein kann.
Zusammenfassend muss man sagen, dass die Immuntherapie sehr viel Wissen, Erfahrung und eine sehr genaue Beobachtung der Reaktionen eines Patienten voraussetzt, und deshalb individuell nur von einem erfahrenen Arzt eingesetzt werden darf. Eine erfolgreich durchgeführte Immuntherapie kann einen Stillstand oder gar einen Rückgang des Tumors bewirken und das Allgemeinbefinden des Patienten deutlich verbessern.
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